Die Wahl der richtigen Farbspritzpistole

Eine Farbspritzpistole, auch einfach nur Farbpistole genannt, ist ein Werkzeug zum Verspritzen und Auftragen von Farbe und anderen flüssigen Materialien wie Lacken oder Lasuren. Das Anstrichmittel wird in der Regel mithilfe von Druckluft aus einem Kompressor und/oder einer Pumpe befördert und auf den zu beschichtenden Oberflächen aufgetragen.

Im Vergleich zu herkömmlichen manuellen Methoden des Farbauftrags wie mit Pinseln, Bürsten und selbst Farbrollern bieten Spritzpistolen erhebliche Produktivitätssteigerungen, Farbeinsparungen und durch die Zerstäubung des Materials eine deutlich bessere Oberflächenqualität.

Spritzpistolen werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt, z. B. in der industriellen Fertigung, in Werkstätten und im Bauwesen. Jedoch werden sie nicht nur von Fachleuten verwendet, sondern sind auch bei Heimwerkern sehr beliebt! Für Farbspritzpistolen, die nur sehr kleine Farbmengen gebrauchen und meist in der Kunst Anwendung finden, wird der englische Begriff Airbrush verwendet.

Farbspritzpistolen ansehen

  • Manuelle oder automatische Farbspritzpistole?

    Automatische Farbspritzpistole von SAMES KREMLIN

    Automatische Farbspritzpistole von SAMES KREMLIN

    Farbspritzpistolen können manuell oder automatisch sein.

    Manuelle Farbspritzpistolen

    Manuelle Spritzpistolen werden meist für kleinere Maler- und Lackierarbeiten in Werkstätten und auf dem Bau verwendet.

    Es handelt sich im Allgemeinen um Niederdruckspritzpistolen (mit etwa 6 bar). Sie sind oft aus Aluminium gefertigt und wiegen dementsprechend wenig, sodass sie einfach und bequem zu nutzen sind.

    Automatische Farbspritzpistolen

    Diese Spritzpistolen sind für den Einsatz in automatisierten Lackier- und Farbspritzanlagen in der Massenproduktion gedacht.

    Sie sind druckluftbetrieben und können zum Lackieren von Werkstücken jeder Größe verwendet werden.

  • Welche Spritztechnik sollte man wählen?

    Farbspritzpistole von PREVOST

    Farbspritzpistole von PREVOST

    Die verschiedenen Spritztechniken unterscheiden sich in der Art und Weise, wie der Druck aufgebaut wird. Bevor Sie sich für ein Modell entscheiden, sollte Ihnen klar sein, welche Methode am besten für die vorgesehenen Anwendungen geeignet ist.

    Elektrische Niederdruckspritzpistolen

    Diese Pistolen haben einen kleinen eingebauten Kompressor und benötigen somit für den Betrieb lediglich eine Stromquelle. 

    Sie sind hauptsächlich für gelegentliche Anstricharbeiten auf kleinen Flächen gedacht.

    Vorteile :

    • Sie sind leicht und einfach zu handhaben und eignen sich ideal für Heimwerkerarbeiten.
    • Trotz ihrer simplen Bau- und Funktionsweise sind sie sehr effektiv und preiswert.
    • Sie benötigen keinen externen Kompressor.

    Nachteile:

    • Sie sind nur für kleine Flächen geeignet.
    • Zäh- und dickflüssige Farben wie Acryl- oder Ölfarben müssen mit Wasser oder einem Verdünnungsmittel wie Testbenzin verdünnt werden.

    Konventionelle pneumatische Spritzpistolen

    Diese Pistolen verwenden Druckluft, um die Farbe zu verspritzen und zu zerstäuben. Sie müssen an einen externen Kompressor oder ein Druckluftsystem angeschlossen werden. 

    Herkömmliche Spritzpistolen beziehen Farbe entweder aus einem Fließ- oder Saugbecher (durch Schwerkraft oder Saugwirkung) oder von einer Pumpe oder einem Druckbehälter, an den sie über einen Schlauch angeschlossen sind.

    Vorteile:

    • Bewährte und kostengünstige Technologie

    Nachteile:

    • Beachtlicher Overspray (Spritz- oder Sprühnebel, mitunter auch als Farb- oder Lacknebel bezeichnet, d. h. der Anteil des verspritzten Materials, der bei Spritz- und Sprühapplikationen nicht auf das Werkstück gelangt, sondern in Form von Sprühnebel in die Umgebung entweicht)

    HVLP- und LVLP-Spritzpistolen

    HVLP-Spritzpistolen

    HVLP steht für High Volume Low Pressure (zu dt. hohes Volumen und niedriger Druck). HVLP-Spritzpistolen versprühen die Farbe also mit einem niedrigen Druck (ca. 0,7 bar), aber einem hohen Luftvolumen (8,5 – 40 m3/h). Diese Technologie ergibt einen gleichmäßigeren Sprühvorgang und ein besseres Spritzbild als eine herkömmliche Spritzpistole, was sich in weniger Overspray, einer besseren Haftung der Farbe auf der Oberfläche und geringeren Produktverlusten widerspiegelt.

    HVLP-Pistolen sind für kleinere Anstricharbeiten gedacht.

    Vorteile:

    • Sie sind sehr effizient.
    • Sie bieten ein besseres Finish als Hochdruckpistolen.
    • Sie produzieren nur wenig Overspray.
    • Sie verringern die Farbverschwendung und sparen somit Geld.
    • Da sie weniger Sprühnebel erzeugen, verschmutzen sie die Arbeitsumgebung auch weniger. Somit kann die Baustelle schneller gereinigt werden und die Kosten für die Entsorgung giftiger Abfälle fallen geringer aus.

    Nachteile:

    • Sie eignen sich in erster Linie für kleine Flächen.

    LVLP-Spritzpistolen

    LVLP steht für Low Volume Low Pressure (zu dt. niedriges Volumen und niedriger Druck). LVLP-Spritzpistolen verwenden weniger Luftvolumen und niedrigere Drücke als HVLP-Pistolen. Sie versprühen die Farbe mit niedrigem Druck, der jedoch nicht, wie bei HVLP-Spritzpistolen, auf 0,7 bar festgelegt ist.

    Vorteile:

    • Die Zerstäubung des Anstrichmittels ist besser als bei HVLP-Pistolen.
    • Sie sind für Produkte auf Wasserbasis geeignet.
    • Sie ermöglichen ein schnelleres Auftragen des Produkts.
    • Durch den verringerten Luftdurchsatz werden Sprühnebel und Farbrückprall reduziert, d. h. es wird ein besseres Spritzbild und Finish erzielt.
    • Sie verbrauchen weniger Druckluft.
    • Sie eignen sich besser für größere Flächen.

    Airless-Spritzpistolen

    Bei diesem Spritzverfahren wird überhaupt keine Druckluft verwendet. Vielmehr wird eine externe Pumpe benutzt, um die Farbe unter sehr hohen Druck (bis zu 300 bar) zu setzen und sie durch eine kleine Öffnung in der Spritzdüse zu pressen.

    Die Farbe kann aus einem Materialbehälter oder direkt aus einem Farbeimer bzw. -topf gepumpt werden.

    Vorteile:

    • Dieses Spitzverfahren ist äußerst sparsam und verbraucht nur wenig Material.
    • Airless-Pistolen sind leicht zu handhaben, was die Arbeit mit ihnen sehr bequem macht.
    • Sie können zum Sprühen verschiedener Produkte wie Lacke, Acrylfarben, Dispersionsfarben, Latexfarben u. a. verwendet werden.
    • Sie eignen sich für große Anstricharbeiten, z. B. an Gebäuden oder Schiffen.
    • Sie können große Farbmengen in kurzer Zeit auftragen.

    Luftunterstützte Airless-Spritzpistolen bzw. AirCoat-Pistolen

    Sie sind speziell für das Verspritzen von Produkten auf Lösungsmittelbasis, wie z. B. Lacken, konzipiert. Diese Technik kombiniert die Airlesszerstäubung und eine Luftzerstäubung bei mittelhohem Druck. Dadurch, dass sie zum Sprühen etwas Druckluft benutzen, wird die Farbverschwendung reduziert.

    Vorteile:

    • Sie verringern den Farb- und Druckluftverbrauch.
    • Das Oberflächenfinish ist von besserer Qualität.
    • Sie eignen sich zum Besprühen kleiner Flächen.
  • Welche Art der Farbzuführung für pneumatische Spritzpistolen?

    Farbspritzpistolen von DEVILBLISS

    Farbspritzpistolen von DEVILBLISS

    Pneumatische Spritzpistolen können auf drei verschiedene Arten mit dem Anstrichmittel versorgt werden, was sich in ihrer Konfiguration widerspiegelt.

    Druckeinspeisung 

    Hierbei wird die Farbe unter Druck gesetzt und durch einen Schlauch hin zur Spritzdüse der Pistole geleitet, wo sie zerstäubt wird. Spritzpistolen, die die Farbe per Druckeinspeisung beziehen, verfügen über zwei Anschlüsse: einen für den Druckluftschlauch und einen für den Farbschlauch.

    Vorteile:

    • Die Farbe kann in alle Richtungen gespritzt werden.
    • Diese Methode eignet sich gut zum Auftragen großer Farbmengen.

    Nachteil:

    • Zur Farbversorgung wird eine externe Druckeinspeisung benötigt.

    Einspeisung per Saugkraft 

    Bei Spritzpistolen mit Sauganschluss befindet sich unterhalb der Pistole ein Saugbecher, aus dem die Farbe gesaugt und bis in die Spritzdüse der Pistole befördert wird, um dann zerstäubt zu werden. Solche Saugspritzpistolen werden schon seit vielen Jahren in der Automobilindustrie eingesetzt.

    Nachteile:

    • Der Druck der Druckluft muss hoch genug sein, um die Farbe aus dem Saugbecher zu saugen. Daher ist diese Konfiguration nicht mit Niederdrucksystemen kompatibel, die ein besseres Finish bieten.
    • Diese Art der Materialzuführung verbraucht mehr Energie als Schwerkraftpistolen, da sie mehr Druckluft benötigen.

    Farbzuführung durch Schwerkraft

    Bei diesem System befindet sich oberhalb der Spritzpistole ein Farbbehälter, der sogenannte Fließbecher, sodass die Farbe einzig aufgrund der Schwerkraft nach unten zur Pistole fließt. Das bedeutet, dass die gesamte im Fließbecher vorhandene Farbe aufgebraucht werden kann und keine Rückstände bleiben. Der Nachteil dieser Technik ist, dass sie nur dann funktioniert, wenn die Pistole nicht allzu sehr geneigt wird. Somit kann nicht in alle Richtungen gemalt bzw. gespritzt werden.

    Vorteile:

    • Diese Zuführart ist ideal für die Anwendung auf kleinen Flächen sowie für Präzisionsarbeiten.

    Nachteile:

    • Sie funktioniert nicht mit zähflüssigen oder zu schweren Anstrichmitteln, wenn diese nicht verdünnt sind.
    • Sie ist nicht für größere Arbeiten geeignet.
    • Es kann nicht in alle Richtungen gemalt werden (z. B. nicht von unten nach oben).
  • Wie wählt man die richtige Farbspritzpistole?

    Farbspritzpistole von GRACO

    Farbspritzpistole von GRACO

    Bei der Auswahl einer Farbspritzpistole sind mehrere Punkte zu berücksichtigen.

    Die Beschaffenheit des zu versprühenden Materials

    Als Erstes sollten Sie Ihre Spritzpistole entsprechend der Art des Produkts auswählen, das Sie verspritzen möchten.

    • Für Lacke und Lasuren sollten Sie sich für eine AirCoat-Spritzpistole (mit luftunterstütztem Airless-Spritzverfahren) entscheiden, die speziell für das Verspritzen von dünnen und glänzenden Materialien entwickelt wurde. Dieser Spritzpistolentyp eignet sich besonders für den Einsatz in der Automobilbranche. 
    • Für klassische Farben, Acryl- oder Latexfarben sowie für schwere und zähflüssige Materialien wie Spachtelmasse oder Klebstoff können Sie eine Airless-Pistole wählen. Dieser Spritzpistolentyp ist besonders für Malerarbeiten im Baugewerbe geeignet.

    Hoch- oder Niederdruck?

    Der Druck der Spritzpistole hängt von der Art der Arbeit ab, die Sie ausführen möchten.

    • Für gelegentliche Arbeiten auf kleinen Flächen sind Niederdruckpistolen am besten geeignet. HLVP-Spritzpistolen empfehlen sich besonders für das Streichen kleinerer Flächen und sind somit die ideale Lösung für Zimmerleute und Tischler.
    • Für das Streichen größerer Flächen sollten Sie sich eher für eine Hochdruckpistole entscheiden.

    Die Durchflussrate

    Um ein Möbelstück zu streichen oder zu lackieren, brauchen Sie nur einen geringen Durchfluss. Zum Streichen einer Hausfassade hingegen ist ein höherer Durchfluss nötig. Da sich die Durchflussmenge bei einigen Modellen nicht einstellen lässt, sind diese Pistolen weniger vielseitig und eignen sich nicht für Anstricharbeiten, für die unterschiedliche Durchflussraten erforderlich sind. Es wird daher empfohlen, eher Pistolen mit einstellbarem Durchfluss zu erwerben.

    Das Fassungsvermögen des Materialbehälters

    Bei Spritzpistolen mit Behälter spielt das Fassungsvermögen eine wichtige Rolle. Mit einem größeren Behälter kann man längere Zeit ohne Unterbrechungen arbeiten. Auf der anderen Seite ist ein solches Modell schwerer und somit anstrengender zu handhaben.

    Die Spritzdüse

    Die Düse ist der Teil der Spritzpistole, der das aufzutragende Produkt (Farbe, Lack usw.) versprüht. Es handelt sich um ein Bauteil, das leicht austauschbar ist, da die Düse an das aufzutragende Produkt (je nach Viskosität etc.) angepasst werden muss. Flachstrahldüsen können fest oder schwenkbar sein, wobei schwenkbare Düsen vorzuziehen sind, da sie die Strahlrichtung ändern können. 

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