Die Wahl der richtigen Industrienähmaschine

Nähmaschinen sind mechanische oder elektromechanische Geräte, die zur Herstellung einer Naht und somit zum Verbinden (Fügen) von Stoffen oder sonstiger textiler Nähgüter wie Gewebe oder Maschenwaren, aber auch Pelz, Leder, Papier, Folie und Blech, dienen. Die Naht wird anhand eines oder mehrerer Fäden (Nähgarn) und einer Nähnadel, die eine Auf- und Abwärtsbewegung ausführt, realisiert.

Auch wenn es verschiedene Arten von Nähmaschinen gibt, so ist das Verfahren zur Erzeugung einer Naht ein fester Konstruktionsbestandteil der Maschine und bei allen Modellen gleich: Alle Nähmaschinen müssen die Erstellung eines Nähstichs ermöglichen. Dafür muss die Nähmaschinennadel mit dem sogenannten Oberfaden zunächst das Gewebe durchstechen. Anschließend wird der eingesetzte Faden auf der Unterseite des Stoffes verknotet, um ihn im Stoff zu verankern.

Industrienähmaschinen verfügen im Gegensatz zu herkömmlichen Nähmaschinen über folgende besondere Merkmale:

  • Hohe Produktionsgeschwindigkeiten (ca. 700 – 800 Stiche pro Minute)
  • Kontinuierliches Arbeiten dank ihrer Robustheit und hohen Leistungsfähigkeit
  • 24-Stunden-Betrieb
  • Qualitativ hochwertige Stiche in Bezug auf Verarbeitung, Präzision und Gleichmäßigkeit

Industrienähmaschinen ansehen

  • In welchen Fällen sollte man sich eine Industrienähmaschine zulegen?

    Heutzutage gibt es einige sehr gute Nähmaschinen für den Privatgebrauch, die durchaus mit bestimmten für den Gewerbebetrieb ausgelegten Nähmaschinen mithalten können. Wann genau sollte man sich also für eine Industrienähmaschine entscheiden? Welche Vorteile bieten professionelle Nähmaschinen?

    Im Folgenden werden die wichtigsten Merkmale aufgeführt, die Industrienähmaschinen von Nähmaschinen für den Hausgebrauch unterscheiden.

    Haltbarkeit

    Im Gegensatz zu Nähmaschinen für den Hausgebrauch sind Industrienähmaschinen für einen 24-Stunden-Betrieb ausgelegt. Sie sind also für industrielle Anwendungen, etwa in Textilfabriken, vorgesehen. Diese Maschinen sind langlebiger, aber auch teurer.

    Gewicht / Transportfähigkeit

    Industrienähmaschinen sind um einiges größer und schwerer (bis zu 50 kg). Während der Motor bei Modellen für den Hausgebrauch in die Maschine eingebaut ist, haben Industriemaschinen einen separaten Motor außerhalb des Gehäuses, sodass sie auf einem Tisch montiert werden müssen. Sie benötigen dementsprechend mehr Platz und sind im Gegensatz zu Haushaltsnähmaschinen nicht oder nur sehr schwer zu transportieren.

    Produktionsgeschwindigkeit

    Industrienähmaschinen haben in der Regel einen leistungsstärkeren Motor, sodass höhere Nähgeschwindigkeiten erreicht werden können. Wenn Sie allerdings eine Nähmaschine benötigen, die auch mit niedrigeren Geschwindigkeiten nähen kann (d. h. so wie Haushaltsnähmaschinen), dann sollten Sie sich für ein Modell mit Servomotor entscheiden.

    Robustheit des Motors

    Die Motoren von Industrienähmaschinen sind wesentlich robuster und widerstandsfähiger, sodass sie sich für eine intensive Nutzung eignen. Sie können jederzeit auf der Stelle gestartet und beendet werden.

    Spezialisierung auf bestimmte Nähte

    Industrienähmaschinen sind meist auf bestimmte Arbeitsgänge spezialisiert, d. h. sie sind auf eine spezifische Stichart und Stoffart ausgelegt. Diese Spezialisierung ermöglicht höhere Arbeitsgeschwindigkeiten und die Produktion großer Mengen. Im Gegensatz dazu sind Haushaltsnähmaschinen wahre Multitalente, da sie oft mehrere verschiedene Stiche auf unterschiedlichen Stoffarten ausführen können, von leichten Stoffen wie Voile bis hin zu schwereren Stoffen wie Leder. Sie sind komplizierter zu bedienen als Industriemaschinen, da sie mehr Einstellungsmöglichkeiten aufweisen.

    Qualität

    Industrienähmaschinen sind in der Lage, Nähte von weitaus besserer Qualität zu produzieren. Die Stiche werden perfekt ausgeführt und können in einer solch einwandfreien Weise nicht von Nähmaschinen für den Privatgebrauch reproduziert werden. Außerdem können sie auch härtere, steifere Stoffe verarbeiten und liefern selbst dann hervorragende Ergebnisse, wenn sie durch mehrere Gewebelagen hindurch nähen.

    Automatisierung

    Industrienähmaschinen verfügen über automatische Funktionen, wie z. B. einen eingebauten automatischen Fadenabschneider.

    Vorteile von Industrienähmaschinen:

    • Haltbarkeit
    • Produktionsgeschwindigkeit
    • Robustheit des Motors
    • Benutzerfreundlichkeit
    • Qualität der Nähte
    • Automatisierung
  • Wonach sollte man eine Industrienähmaschine auswählen?

    Dies sind die wichtigsten Kriterien, die bei der Auswahl einer Nähmaschine zu berücksichtigen sind:

    Die Produktionsgeschwindigkeit

    Industrienähmaschinen haben Drehzahlen von 3000 bis 7000 U/min. Die Wahl hängt vom jeweiligen Verwendungszweck und der Art des Stoffes ab. Falls Sie ein Gerät benötigen, das auf einen intensiven Gebrauch und umfangreiche Produktionen ausgelegt ist, sollten Sie eine Schnellnähmaschine wählen, die bis zu 1500 Stiche pro Minute nähen kann.

    Zum Nähen von leichten Stoffen sind Maschinen mit etwa 5000 U/min ausreichend. Für steifere und schwer zu verarbeitende Stoffe wie Leder ist eine Maschine mit 3000 bis 4000 U/min besser geeignet.

    Die Stoffart

    Die Art des zu nähenden Stoffes ist ein entscheidender Faktor bei der Wahl einer Nähmaschine, denn sie beeinflusst nicht nur die Drehzahl, sondern auch die Art des Stofftransports.

    Der Stofftransport (Motor)

    Der Stofftransport bezeichnet den Mechanismus, der das Nähgut vorschiebt, sobald es von der Nadel durchstochen wurde. Er wird auch passend als Stoffschieber bezeichnet. Der geeignete Stofftransportmechanismus wird entsprechend der Nähgutart gewählt, denn leichte Stoffe benötigen nicht die gleiche Antriebskraft wie schwere. Es gibt drei verschiedene Mechanismen: Bei Nähmaschinen mit Einfachtransport besteht der Stoffschieber aus einer geradelaufenden Schiene, auch bekannt als Untertransporteur. Zusätzlich zum Untertransporteur kann ein Obertransporteur zum Einsatz kommen. Einige Modelle verfügen zudem über zwei Untertransporteure. Wenn die Nähnadel nach dem Durchstechen mittransportiert wird, so wird dies Nadeltransport genannt. Wenn zwei dieser Mechanismen Anwendung finden, spricht man von Zweifachtransport. Von Dreifachtransport ist die Rede, wenn Unter-, Ober- und Nadeltransport zum Einsatz kommen. Die Wahl hängt vom Gewicht des Stoffes ab.

    Zum Nähen leichter Standardstoffe (ohne oder mit geringer Dehnung) oder Jeans sollten Sie beispielsweise eine Maschine mit Einfachtransport wählen. Für schwere Stoffe wie Leinen und für extrem feine und empfindliche Stoffe wie Spitze sollten Sie sich stattdessen für eine Nähmaschine mit Zweifachtransport und Kupplungsmotor entscheiden. Für sehr harte Stoffe wie Leder kommt nur eine Nähmaschine mit Dreifachtransport in Frage. Beachten Sie jedoch, dass diese Geräte aufgrund der komplexeren Mechanik recht teuer sein können.

    Die Stichart

    Industrienähmaschinen sind in der Regel auf eine bestimmte Art von Stichen spezialisiert und können nur selten mehrere verschiedene Stiche realisieren.
    Zu den gebräuchlichsten Nähstichen gehören der Doppelsteppstich, der Zickzackstich und der Overlockstich (nähere Informationen hierzu im nächsten Abschnitt).
    Achten Sie auch auf die Stärke der zu verwendenden Nähfäden. Vergewissern Sie sich, dass die gewählte Maschine mit der Fadenstärke kompatibel ist. Einige Maschinen können mit dicken wie dünnen Fäden nähen, während andere auf dünne Fäden beschränkt sind.

    Der Stromverbrauch

    Nähmaschinen verbrauchen sehr viel Energie, insbesondere solche mit Kupplungsmotor. Es gibt jedoch auch immer mehr umweltfreundliche Modelle mit niedrigerem Energieverbrauch auf dem Markt. Mit Servomotor ausgestattete Nähmaschinen verbrauchen ebenfalls weniger Energie als Kupplungsmotoren und sind zudem leiser.

    Wichtigste Auswahlkriterien:

    • Produktionsgeschwindigkeit
    • Stoffart
    • Stofftransport (Motor)
    • Stichart
    • Stromverbrauch
  • Welche Stichart sollte man wählen?

    Es existieren viele verschiedene Nähstiche, doch können Industrienähmaschinen, wie bereits erwähnt, in der Regel nur eine bestimmte Stichart ausführen.

    Die American Society for Testing and Materials (ASTM) und die Internationale Organisation für Normung (ISO) haben jeweils ein Klassifizierungssystem für Nähstiche entwickelt. Diese lauten ASTM D 6193 und ISO 4915:1991.

    Angesichts der großen Vielfalt an Nähstichen werden wir uns in diesem Leitfaden auf die fünf häufigsten beschränken.

    Verschiedene Sticharten

    Der Doppelsteppstich

    Der Doppelsteppstich ist der in der Industrie am häufigsten verwendete Nähstichtyp. Es handelt sich hierbei um einen Einnadelstich, bei dem zwei Fäden miteinander verbunden werden, indem der Unterfaden mittels eines Schiffchens in die Schlinge des Oberfadens geführt wird. Für diesen Stich benötigen Sie eine Nadel mit flacher Spitze.

    Anwendungen:
    Kleidung
    Synthetische Hebegurte
    Großformatige Planen und Tücher

    Vorteile:
    – Die am schnellsten nähbare Stichart
    – Und auch die billigste

    Nachteile:
    – Die Stiche können äußerst eng beieinander liegen, sodass diese Stichart nicht für elastische Stoffe geeignet ist.


    Der Overlockstich

    Mit einer speziellen Overlock-Nähmaschine kann dieser Stich in einem einzigen Arbeitsgang realisiert werden. Somit garantiert sie eine schnelle Arbeitsgeschwindigkeit und eine extrem hohe Produktion.

    Anwendungen:
    Elastische Kleidung (Sportbekleidung, Tanzbekleidung u. a.)

    Vorteile:
    – Sehr flexibel und widerstandsfähig
    – Overlock-Nähmaschinen bieten höhere Nähgeschwindigkeiten als andere Nähmaschinen (7.000 U/min)

    Nachteile:
    – Verbraucht viel Faden

    Der Kettenstich

    Dieser Stich erzeugt ein Ketten- bzw. Seilmuster. Er ist besonders ästhetisch und wird häufig zum Aufnähen von dekorativen Accessoires auf Stoffen verwendet.

    Anwendungen:
    Kleidung
    Papier- und Plastiktüten
    Großformatige Planen und Tücher

    Vorteil:
    – Größer als andere Stiche, wodurch er sich hervorragend als Füllstich für Muster eignet

    Nachteile:
    – Verbraucht viel Faden
    – Weniger widerstandsfähig als andere Sticharten
    – Längere Nähzeiten


    Der Doppelkettenstich

    Diese Stichart ähnelt dem normalen Kettenstich, ist aber strapazierfähiger.

    Anwendungen:
    Gummibänder
    Gurte
    Jacken

    Vorteile:
    – Sehr stabil und haltbarer als der einfache Kettenstich
    – Hohe Dehnungsfähigkeit, wodurch er bevorzugt zum Nähen von Gummibändern, insbesondere an Kleidungsstücken, verwendet wird

    Nachteile:
    – Verbraucht viel Faden
    – Die Herstellung dauert länger
    – Die Naht löst sich leicht auf, wenn ein Faden beschädigt wird, sodass Bekleidungshersteller sie oft übernähen oder sogar kleben müssen


    Der Zickzackstich

    Wie der Name schon sagt, ist dies ein Nähstich mit gezacktem Muster. Bei Industrienähmaschinen, die für Zickzackstiche konzipiert sind, kann die Breite und Länge des Stichs individuell eingestellt werden.

    Anwendungen:
    Stoffe wie z. B. Voile
    Elastische Gewebe

    Vorteile:
    – Ermöglicht es, einen Stoff zu straffen
    – Erleichtert das Nähen dehnbarer Materialien

    Nachteile:
    – Die Fadenspannung muss richtig eingestellt sein
    – Eignet sich nicht für feine Stoffe

    Die wichtigsten Sticharten:

    • (Doppel-)Steppstich
    • Overlockstich
    • Kettenstich
    • Doppelkettenstich
    • Zickzackstich
  • Mechanische oder elektronische Nähmaschine?

    Nähmaschinen können mechanisch oder elektronisch sein.

    Mechanische Nähmaschinen

    Diese Maschinen haben einen Elektromotor, verfügen aber sonst über keinerlei elektronische Komponenten.

    Vorteile:

    • preisgünstig
    • leicht zu reinigen

    Nachteile:

    • Nur wenig verschiedene Sticharten
    • Sie sind nicht automatisiert, sodass sie aufgrund der vielen manuellen Einstellmöglichkeiten komplizierter und zeitaufwändiger zu bedienen sind.

    Elektronische Nähmaschine von Brother

    Elektronische Nähmaschinen

    Diese Maschinen verfügen über elektronische Komponenten, z. B. ein LCD-Display.

    Vorteile:

    • Die Einstellungen erfolgen automatisch, was ihre Verwendung erleichtert.
    • Sie bieten mehr Präzision.
    • Sie können eine größere Vielfalt an Nähstichen realisieren.

    Nachteile:

    • Sie sind teurer.
    • Sie sind weniger widerstandsfähig.
    • Die Wartungs- und Reparaturkosten für bestimmte Komponenten wie das LCD-Display sind höher.

    Trotz dieser Nachteile empfehlen wir Ihnen, sich aufgrund der Benutzerfreundlichkeit und einfacheren Bedienung für eine elektronische Nähmaschine zu entscheiden.

    Vorteile elektronischer Nähmaschinen:

    • Automatische Einstellungen
    • Hohe Präzision
    • Vielzahl an Sticharten
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